Ganzheitliche Sicht und Selbstverantwortung

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geht vom Bild eines eigenverantwortlichen Menschen in der Gesellschaft aus. In ihrem Leitbild schreiben sie:

Wir alle sollten weniger Zielscheibe der geballten Dienstleistungen unseres potenten Gesundheitsversorgungssystems sein, sondern vielmehr einen aktiv teilnehmenden Part im Ganzen spielen.“

(Bundesamt für Gesundheit, 2002, S. 17)

Es wird in diesem Zusammenhang auch von «Empowerment» gesprochen, was in diesem Zusammenhang die Förderung der Eigenverantwortlichkeit für die Gesundheit meint. Dieser Begriff wurde aber ursprünglich verwendet von Herbert J. Freudenberger, der 1974 den ersten wissenschaftlichen Artikel zum Thema Burnou-Syndrom verfasst hatte (Freudenberger, 1974). Erst später hielt der Begriff „Empowerment“ Einzug in die sozialen und politischen Bereiche unserer Gesellschaft und wird seit 1985 mit dem Sozialwissenschaftler Julian Rappaport in Verbindung gebracht. Im Zentrum steht jedoch die (Selbst-)Ermächtigung bzw. das Fördern der Selbstkompetenz für die eigene Gesundheit.

Es besteht also die Absicht, die Gesundheitskompetenz der Menschen zu fördern. Aus unserer Sicht vermögen es Markenzeichen wie die Knospe oder Demeter, den Konsumentinnen und Konsumenten den Wert gesunder und naturnaher Lebens-Mittel zu vermitteln. Man lernt die dadurch erhaltene und geförderte Gesundheit zu schätzen und kann allmählich ein Vertrauen zu den betreffenden Produkten aufbauen. Durch die Transparenz der Produkte, deren Herstellungsweise und Kontrolle sowie der dahinterstehenden Philosophie ist jederzeit ersichtlich, was alles miteinfliesst.

Wir sind der Überzeugung, dass sich der Mensch durch eine mehr mit der Natur und ihren Kreisläufen verbundenen Ernährungsweise auch wieder besser als Mitglied eines Ganzen, als Teil eines grösseren Organismus verstehen lernt. Es tritt an die Stelle eines isolierten Menschenbilds eine Selbstwahrnehmung, welche mit allem Wesenhaften zusammenleben kann, ohne irgendjemandem Schaden zufügen zu müssen. Dies kann sogar über die Eigenverantwortlichkeit für die Gesundheit hinausgehen. Denn mit der eigenen Gesundheit lässt sich auch die Gesundheit anderer verbessern, z.B. durch positive, psychische und soziale Resonanz (Verbreitung guter Stimmung und ferner Stärkung des sozialen Netzwerks) oder mit der schlichten Betrachtung eines zyklischen Stoff-Fluss-Modells, wo in den Kreislauf abgegebene, natürliche, gesunde Mittel (Düngung) später in einer anderen Form (Lebensmittel) auch wieder in gesundem, natürlichem Zustand aufgenommen werden können. Dabei scheint es nicht weit hergeholt zu sein, dass ein gesundes, soziales Netzwerk mit psychischem und sozialem Wohlbefinden und ferner ein Denken in natürlichen Kreisläufen mit dem Wunsch, diesen Zustand aufrechtzuerhalten, einhergeht.

Mit dieser Perspektive kommen einem auch Zweifel an der Qualität auf, wenn man an das medizinische Cannabis denkt. Denn dieses wird laut der Universität Leiden in routinemässigen Behandlungen durch Gamma-Bestrahlung (mit einer Dosis von mehr als 10 kGy) sterilisiert. Die Bestrahlung bei Lebensmitteln wird schon seit längerem kontrovers diskutiert. Sie liegt bei einer Dosis von 0.2 bis 10 kGy. Dabei kann es zu Geschmacks- oder Konsistenzveränderungen sowie zum Abbau wertvoller Inhaltsstoffe kommen. In unseren Augen ist dies ganz und gar nicht mit Lebensmittelhanf bzw. mit qualitativ gutem, medizinalem Cannabis zu vereinbaren.